Wie mein Fuß mich Geduld lehrte… und was das mit Weihnachten zu tun hat: Zurück

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12.17

Am 08.11. wollte ich mir – wie jeden Morgen – Strumpfhosen anziehen (ich bin überzeugte Rock- und Kleidträgerin), als mir auf Grund einer unbedachten Bewegung meiner untrainierten Beine die Kniescheibe heraussprang. Wegen der dadurch fehlenden Stabilität ging ich zu Boden und verhakte meinen Fuß so unglücklich, dass ich mir das Sprunggelenk gleich dreifach gebrochen habe. Das erste Ergebnis sehen Sie oben. Zwei OPs später stellte ich mir die Frage, was ich mit dieser Situation anfangen sollte, die mein Orthopäde treffend in dem Satz zusammenfasste: „Bei einer Sprunggelenksfraktur brauchen Sie vor allem eins: sehr, sehr, sehr viel Geduld.“  Mein mich begleitender bester Freund konnte sich ein Grinsen und den Kommentar: „Na, das ist ja weiß Gott deine Stärke!“ nicht verkneifen.

Geduld kann man lernen.

Da hatte ich sie wohl, meine Antwort: Geduld zu lernen, mich in Geduld zu fassen, geduldig zu bleiben – alles Formulierungen, die mir schon beim Lesen den Schweiß ins Gesicht trieben. Auf einmal hatte ich nicht die Kontrolle darüber, wie schnell ich wieder laufen kann. Sondern muss geduldig meinen Knochen beim Heilen zuhören. Den ersten Crashkurs für meine Geduld gab es übrigens bereits im Krankenhaus. Warten auf Betreuung und Unterstützung war hier wahrlich ein Geduldsspiel (das unerwünschte und erschreckende Einsichten in den Zustand unserer Krankenhäuser erlaubte).

Übrigens mussten und müssen sich nun auch meine Newsletter-Abonnenten  in Geduld üben, denn unfall- und feiertagsbedingt geht meine Blog-Serie zum Thema „Frauen in unserer Gesellschaft“ erst im Januar weiter.

Was ist denn nun eigentlich Geduld?

Meine Recherchen zum Thema Geduld erbrachten zunächst einmal eine überraschende Erkenntnis: Geduld ist nicht gleich Geduld. Man unterscheidet zwischen strategischer und situativer Geduld.

Strategische Geduld ist die Geduld, die die langfristige Planung einer großen Belohnung der sofortigen Bedürfnisbefriedigung vorzieht. Vielleicht kennen einige von Ihnen die Studie zu den Kindergartenkindern. Denen bot man ein Marshmallow an und versprach ihnen gleichzeitig, dass sie, wenn sie dieses zwanzig Minuten lang nicht essen würden, nach diesen zwanzig Minuten zwei Marshmallows erhalten würden. (http://lexikon.stangl.eu/3697/marshmallow-test/).

Geduld ist eine Kombination aus Impulskontrolle, Frustrationstoleranz und Ausdauer.

Interessanterweise hatten diejenigen Kinder, die der Versuchung widerstanden haben, 13 Jahre später mehr Erfolg in Schule und Ausbildung und waren seltener drogenabhängig. Strategische Geduld ist also eine Kombination aus Frustrationstoleranz, Impulskontrolle und Ausdauer, die einen Belohnungsaufschub möglich macht. Diese Fähigkeit ist nicht mit Intelligenz verbunden. Denn gerade dieser Test zeigte, dass gleich intelligente Kinder mit einer geringeren strategischen Geduld später emotional instabiler, weniger erfolgreich und weniger gesund waren.

Gerade diese Art Geduld, also die Kombination aus Impulskontrolle, Frustrationstoleranz und Ausdauer ist zumindest teilweise genetisch bedingt. Und daher auch nur bedingt beeinflussbar. Zudem ist diese Geduld auch hormonell gesteuert. Das beweist am besten der Einfluss von Testosteron auf pubertierende (männliche) Jugendliche. Je höher nämlich der Testosteronspiegel, desto häufiger wählen die Jungen die aktuelle Belohnung. Statt auf eine spätere, aber höhere Belohnung zu warten. Und auch das ist natürlich nur bedingt bewusst beeinflussbar.

Geduld ist auch in Stresssituationen gefragt.

Situative Geduld ist hingegen die, die mit einer ganz aktuellen Situation im Hier und Jetzt verbunden ist. Die Schlange an der Kasse in der Vorweihnachtszeit. Der Stau auf der Autobahn auf dem Weg zur familiären Weihnachtsfeier. Das Warten auf den Kellner im Restaurant am Heiligen Abend oder an den Feiertagen. Der in solchen Situationen entstehende Stress ist die Folge von zwei unterschiedlichen, in unserem Gehirn eingeprägten Verhaltensweisen. Zum einen sind wir ständig auf der Suche nach Belohnung, die uns ein Glücksgefühl verschafft.  In den oben beschriebenen Situationen können wir das auf Grund äußerer Umstände jedoch nicht erreichen.

Zum anderen neigt unser Hirn – evolutionär bedingt – dazu, sich auf Probleme und Gefahren und damit auf Wut oder Angst zu fokussieren. Was in grauer Vorzeit für das Überleben vorteilhaft war, heute jedoch nur Stress auslöst. Bedauerlicherweise scheint letzteres die primäre Verhaltensweise zu sein. Das könnte man zumindest daraus ableiten, dass Angst und Wut reflexhaftes Verhalten wie Flucht oder Angriff auslösen und auch unter den weltweit verstandenen Ausdrucksmöglichkeiten unseres Gesichts die negativen (Trauer, Angst, Ekel, Wut) gegenüber den positiven (Freude) und neutralen (Überraschung) klar die Mehrheit bilden. Und tatsächlich ist die häufigste Reaktion in solchen von Ungeduld geprägten Situationen wie oben Wut oder Ärger. Die gute Nachricht ist jedoch, dass wir situative Geduld erlernen und trainieren können.

Wie kann man nun situative Geduld erlernen?

Die entscheidende Frage ist – siehe oben – wie kann ich meinen Ärger loslassen oder sogar in ein Glücksgefühl umwandeln. Nach meinen – vor allem in den letzten Wochen gewonnenen – Erfahrungen eignen sich für das Loslassen vor allem Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen. Regelmäßige Meditationen gleich nach dem Aufstehen verleihen dem Tag einen positiven Schimmer. Und sie eignen sich gut für Situationen, in denen man kurz die Augen schließen und sich auf das positive Gefühl konzentrieren kann. Die Umwandlung des Ärgers beginnt in der Regel mit einer Ablenkung. Diese kann zum Beispiel in aktiver Kommunikation mit anderen Betroffenen bestehen. Allerdings sollte man sich hier nicht über die gemeinsamen negativen Gefühle austauschen. Sondern vielleicht über das Automodell des Nachbarn im Stau. Über die Lebensmittel auf dem Band. Und das vermutete Rezept, die Ausgestaltung des Restaurants oder ähnliches.

In aller Regel erfährt man Interessantes und Neues und vergisst nicht nur den Ärger, sondern empfindet sogar ein positives Gefühl. Wunderbar eignen sich aus meiner Sicht auch Aktivitäten, die zum Lachen reizen. Vom Hören von humorvollen Sendungen oder CDs über gegenseitiges Witzeerzählen bis zu Grimassierwettbewerben. Das hat noch den positiven Nebeneffekt, dass Sie mit ausgiebigem Lachen etwas für Ihre Gesundheit tun. Sie werden erstaunt sein, wie bereitwillig die ursprünglich mit Ihnen Leidenden auf Ihre zum Lachen reizenden Aktivitäten eingehen.

Lachen ist ebenfalls eine gute Medizin.

Auch einfach nur laut und ausgiebig lachen reicht oft aus, um die gesamte Schlange im Supermarkt, die anderen Gäste im Restaurant oder Ihre Mitfahrenden zum Mitlachen zu bringen. Und der letzte – für mich schönste – Tipp ist: Singen Sie! Singen Sie laut, ob falsch oder richtig, singen Sie Weihnachtslieder oder aktuelle Hits. Oder probieren Sie, den Vokal I laut zu singen, mit welchen Tonfolgen auch immer, denn der Vokal I soll sich beim Singen mit seinen Vibrationen vor allem positiv auf das Gehirn auswirken. Probieren Sie es aus! Über Kommentare und Erfahrungsberichte freue ich mich.

Und so wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnachtszeit und viel Geduld in den nicht so besinnlichen Momenten!

Ihre Claudia Rieck

5 Antworten zu “Wie mein Fuß mich Geduld lehrte… und was das mit Weihnachten zu tun hat:”

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