Warum Frauen zwischen rosarot und pink unterscheiden können und andere erstaunliche Erkenntnisse. Zurück

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03.18

Kennen Sie das Bild auch: ein Mann steht vor dem Kühlschrank und findet nichts? Und haben Sie sich schon manchmal gefragt, warum Männer und Frauen offensichtlich unterschiedlich wahrnehmen? Dann freuen Sie sich vielleicht, dass ich bei meiner Recherche zum Thema „Frauen in unserer Gesellschaft“ noch so viel interessante Fakten gefunden habe, dass sie meines Erachtens noch einen Blog wert waren.

Ist nun der Panther rosarot oder pink?

In unserer Netzhaut verfügen wir über zwei unterschiedliche Arten von Sinneszellen: die Zapfen, mit denen wir am Tag sehen und Farben erkennen können und Stäbchen für das Sehen in der Nacht, die nur Hell-Dunkel-Kontraste abbilden können. Zapfen haben wir sehr viel weniger als Stäbchen (6 Millionen : 20 Millionen). Es gibt drei Gene für das Protein, das in den Sehpigmenten der Zapfen enthalten ist. Dabei entscheidet jedes der drei Gene über eine andere Abfolge der Aminosäuren im Protein und erzeugt damit eine andere Fähigkeit der Zapfen, Lichtwellen zu absorbieren. Und so entsteht unsere Fähigkeit, blau (kurzwellig), grün (mittelwellig) und rot (langwellig) unterscheiden zu können. Hätten Sie gewusst, dass Sehen von Aminosäuren bestimmt wird ??!

Die Gene für Rot- und Grün-sehen liegen auf dem X-Chromosom. Ob das erklärt, warum Frauen in Studien in der Wahrnehmung von Farbunterschieden sehr viel besser abschneiden als Männer, ist jedoch noch fraglich. Allerdings erklärt das, warum es weniger als 1% Frauen gibt, die eine Rot-Grün-Sehschwäche haben. Aber zwischen 7 und 8% Männer. Fällt das Gen für Rot- oder Grün-sehen auf einem X-Chromosom aus, haben Frauen ja noch das andere X, mit dem sie das kompensieren können. Eine Rot-Grün-Schwäche bei Männern entsteht auch, wenn das Gen mutiert. Bei einigen Frauen hingegen führt es zu einer vierten Zapfenart, mit der sie Fähigkeit erhalten, weit mehr als die normalerweise erkennbaren 150 Farben unterscheiden zu können (sogenannte Tetrachromaten). Einen schönen Test finden Sie hier: https://www.focus.de/gesundheit/videos/test-entlarvt-ihr-sehvermoegen-nur-einer-von-vier-sieht-alle-farben-wie-gut-sind-ihre-augen_id_4818274.html.

Männer und Frauen sehen eine Farbe nicht auf die selbe Weise.

Überrascht konnte ich feststellen, dass ich offenbar ein Tetrachromat bin (in den Gesprächen mit meinem Mann war ich früher allerdings immer davon ausgegangen…). Über die genetische Grundlage des Blausehens wissen wir ebenfalls noch nicht viel. Experimente haben jedoch ergeben, dass Männer ihre Umgebung deutlich bläulicher (also in eher kalten Farben), Frauen diese hingegen eher gelblicher (also in warmen Farben) wahrnehmen.

Abgesehen von der individuellen Wahrnehmung jedes einzelnen Menschen ist es also schon rein physisch praktisch unmöglich, dass Männer und Frauen eine Farbe auf dieselbe Weise sehen.

Andererseits haben Frauen im Durchschnitt 20% weniger Neuronen im Sehzentrum. Das scheint nach Experimenten ein Grund dafür zu sein, dass Männer Details besser erkennen können, auch wenn Störungen wie Flackern die Bildqualität beeinträchtigen. Also kann die Frau erkennen, ob der Panther nun rosarot oder doch eher pink ist. Dem Mann entgeht dafür auch dann eine Bewegung des Panthers nicht, wenn das Fernsehbild flackert….

Ich habe mich früher oft mit meinem Mann über Farben und Bilder gestritten. In der Zwischenzeit hatte ich schon gelernt, zu akzeptieren, dass die Sicht auf die Welt unterschiedlich ist. Aber nun habe ich sogar noch eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum wir uns nie einigen konnten ??.

Und er steht übrigens vor dem Kühlschrank und findet nichts, weil Männer eher fokussiert sehen, und das auch in der Ferne. Frauen hingegen haben ein weites Gesichtsfeld, doch nur in der Nähe. Das kann man aus unserem Wissen über die Entwicklung des Menschen gut erklären. Denn Männer müssen bei der Jagd das Wild in der Ferne klar erkennen, während Frauen neben den Beeren am Strauch auch noch die Kinder im Blick haben mussten. Ob das jedoch tatsächlich der Grund für die unterschiedliche Ausprägung unserer Sehfähigkeiten ist, wissen wir nicht.

Wer sieht, dass man traurig ist?

Während 90% aller Frauen und Männer traurige Männergesichter als solche wahrnehmen, erkennen nur 70% der Männer, dass das Gesicht einer Frau Trauer ausdrückt. In weiteren Versuchen – in denen Schauspieler engagiert wurden, um bestimmte Emotionen darzustellen – haben Frauen auch andere Emotionen deutlich schneller erkannt als die Männer. Das wurde besonders deutlich bei Angst und Ekel. Lustigerweise erkannten sie die Gefühle noch besser, wenn sie von einem männlichen Schauspieler dargestellt wurden.

Ich bin ja ein totaler Fan von Tests aller Art – deshalb hier noch ein Link, wo Sie herausfinden können, wie gut Sie Emotionen einschätzen können:  http://www.spiegel.de/quiztool/quiztool-62130.html?a=12336243. Sie wären jetzt sicher enttäuscht, wenn ich bei meinem Beruf hier versagt hätte. 7 von 8 Bildern konnte ich richtig zuordnen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wieso denn Wissenschaftler so sicher sein können, dass eine bestimmte Mimik auch ein bestimmtes Gefühl ausdrückt. Wir alle lernen ja in unserem Leben, was uns emotional bewegt. Daher muss es Emotionen geben, die nicht gelernt sind, sondern sozusagen angeboren. Denn nur das würde ja verhindern, dass unterschiedliche Menschen für dieselben Gefühle unterschiedliche Gefühlausdrücke lernen.

Die Existenz von Basisemotionen war  lange strittig und wurde erst durch Forschungen von Paul Ekmann an Völkern, die mit der modernen Zivilisation noch nicht in Berührung gekommen waren, belegt. Den Ausdruck von Ärger, Trauer, Freude und Ekel im Gesicht erkennen die Menschen überall auf der Welt, unabhängig von Sprache und Kultur. Überraschung und Angst gehen in manchen Weltgegenden ineinander über. Wut, Drohung, Lachen und Angst zeigen sich auch in der Mimik von Menschenaffen – und zwar auf die gleiche Weise wie bei Menschen.

Denken Männer in Ruhe wirklich nur an Sex?

Lange war die Wissenschaft auf die – ja immer total interessanten – Versuche angewiesen, in denen sie statistisch bestimmte Verhaltensweisen oder Wahrnehmungen von Versuchspersonen auswerten mussten. Verfälschungen waren hier natürlich immer denkbar. Heute können Wissenschaftler mit neuen Technologien direkt in unser Hirn sehen. Bei einem dieser Versuche konnten sie nun feststellen, dass selbst in Ruhephasen bei Männern ein bestimmter Schläfenlappen aktiv ist, der zum limbischen System gehört. Dieser Teil ist nach Studien für Flucht und Angriff, für Hunger und Sex verantwortlich. Das bedeutet, es könnte auch sein, dass die untersuchten Probanden einfach Hunger hatten ?. Das ist schon deshalb gut möglich, weil nach Erkenntnissen einer US-Studie Männer täglich im Durchschnitt 19mal an Sex denken, aber auch 18mal an Essen.

Bei Frauen war ebenfalls ein Teil des limbischen Systems aktiv, jedoch ist dieser für Konfliktmanagement, Gedankenkontrolle und Anpassung verantwortlich. Frauen denken laut der US-Studie im Schnitt 10mal am Tag an Sex und 15mal an Essen. (In Australien ist das übrigens alles anders – sagt zumindest eine australische Studie zum selben Thema. Denn hier denken die Männer im Schnitt 34mal an Sex und die Frauen 20mal …) Wenn die Gedanken an Essen bei Frauen auch was mit dem beteiligten männlichen Partner zu tun haben – wonach die Studie nicht gefragt hat – läge der Zusammenhang mit dem Konfliktmanagement nahe ?.

Warum gehen Frauen anders mit Sprache um?

Ebenfalls durch die neuen Technologien ist es möglich, die Beteiligung unterschiedlicher Gehirnareale beim Sprechen zu beobachten. Und auch hier sind klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellbar. Die bekannte Region, die für Sprache verantwortlich ist, liegt im Stirnlappen der linken Gehirnhälfte. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in dem Test leuchtete dieses Areal bei einer sprachlichen Aufgabe auf. Bei knapp 60% der beteiligten Frauen leuchtete aber gleichzeitig auch eine Region in der rechten Gehirnhälfte auf. In Bezug auf Sprache hat die linke Gehirnhälfte die Aufgabe, die korrekten Worte zu finden, während in der rechten die Betonung der Worte (also der emotionale Aspekt) im Vordergrund steht.

Das Ergebnis zeigt, dass Frauen beim Sprechen immer auch die gefühlsmäßige Seite ihres Gespräches im Blick behalten. Bei Frauen lässt sich daher nach Verletzung der linken Hirnhälfte das Sprechvermögen schneller und leichter wieder herstellen. Vielleicht ist die Nutzung beider Hirnhälften für Sprache auch die Begründung dafür, dass Frauen in ihren Aussagen oft unsicher wirken. Sie äußern lieber Vermutungen und kleiden Faktenaussagen gern in Frageform. Das hat nichts damit zu tun, dass sie sich ihrer Aussagen nicht sicher sind (meistens jedenfalls). Sondern damit, dass sie mit fragenden oder unsicheren Formulierungen eher eine Verbindung zu ihrem Gesprächspartner herstellen können oder wollen. Und Frauen kommt es in Gesprächen mit anderen Menschen auf die Verbindung an. Männer hingegen konzentrieren sich auf Fakten und auf deren Vermittlung.

Wer ist das Mathegenie? Und ist das gleichbedeutend mit effektivem Rechnen?

Spätestens seit dem Film „Hidden Figures“ ist in den Fokus gerückt, dass Frauen besser und schneller als Männer rechnen können. Das zeigt sich gerade in Tests, in denen es um die Grundrechenarten geht. Hier schneiden Mädchen und Frauen in der Regel besser ab. Übrigens schneiden sie auch während der Regel besser ab, weil dann der Testosteron-Spiegel am höchsten ist.

Der höhere Anteil an Männern unter den Mathematikern und den Mathematikgenies beruht auf zwei Fakten. Zum einen hat Mathematik viel mit Abstraktionsvermögen und räumlichem Denken zu tun. Zahlreiche Test haben nachgewiesen, dass Männer besser abstrahieren und räumlich denken können. Zum anderen gibt es bei Männern eine größere Bandbreite an mathematischer Begabung. Das bedeutet, dass Frauen eher um einen durchschnittlichen Wert herum mathematisch befähigt sind. Bei Männern aber sowohl der Anteil an Genies als auch der an mathematischen Versagern sehr viel größer ist.

In die Spitze der mathematisch begabten Menschen gelangen Frauen nur ausnahmsweise.

Das kann man gut an den Ergebnissen der weltweiten Mathematikolympiaden erkennen. In den letzten Jahren gab es hier immerhin einen Mädchenanteil von 10%. (Übrigens hat auch unsere Bundeskanzlerin 1971 an einer Bezirks-Matheolympiade teilgenommen.) Unter den erfolgreichsten sechs Teilnehmern von 2001 bis 2017 ist jedoch nur eine Frau (die Deutsche Lisa Sauermann). Unter den 56 Preisträgern der Fields-Medaille (eine Medaille für herausragende Entdeckungen in der Mathematik, vergleichbar mit dem Nobelpreis) befindet sich lediglich eine Frau (die Iranerin Maryam Mirzakhani, die – erst 40jährig – im letzten Jahr verstorben ist).

Inwieweit aber tatsächlich auch Vorurteile bei der Lösung mathematischer Probleme eine Rolle spielen, zeigen eine Reihe von Test, in denen Frauen sehr viel bessere mathematischer Ergebnisse erbringen, wenn man ihnen vermittelt, dass der zu absolvierende Test keine geschlechtsspezifischen Unterschiede ergeben wird. Hier sind die Ergebnisse mit denen der Männer vergleichbar. Interessanterweise zeigen Gehirnscans während der Absolvierung dieser Tests, dass die Gehirne der Männer auf Hochtouren laufen, während die der Frauen deutlich weniger Aktivität anzeigen. Da die Ergebnisse vergleichbar sind, deutet das auf eine effektivere Arbeitsweise des weiblichen Gehirns hin.

 Wer ist denn nun schmerzempfindlicher – Männer oder Frauen?

Sämtliche Studien zu Schmerzempfindlichkeit ergeben eindeutig eine deutlich höhere Schmerzempfindlichkeit von Frauen. Dass hat zum einen damit zu tun, dass das Hormon Testosteron die Schmerzempfindlichkeit senkt, während Östrogen die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Zum anderen haben Frauen 34 Schmerzrezeptoren je Quadratzentimeter Haut, Männer nur die Hälfte. Männer haben auch das effektivere Schmerzhemmsystem. Wenn ein Schmerz auftritt, versucht der Körper mit dem Ausschütten von Endorphinen gegenzusteuern. Männer schütten in einem solchen Fall mehr Endorphine aus und aktivieren auch mehr Opioidrezeptoren. Das sind die Verbindungen, an die die Endorphine andocken und die das subjektive Schmerzempfinden mindern. Das passiert bei Frauen übrigens während der Entbindung, so dass sie diese trotz ihrer hohen Schmerzempfindlichkeit gut überstehen können.

Da Frauen sonst jedoch nicht so gut darin sind, einmal aufgetretene Schmerzen zu hemmen, leiden sie auch sehr viel häufiger unter chronifizierten Schmerzen. Insgesamt ist Schmerzempfinden aber von zahlreichen genetischen und umweltbedingten Faktoren abhängig. So reagieren rothaarige Frauen deutlicher auf Schmerzen, die durch Hitze erzeugt werden. Aber weniger auf Schmerzen, die durch Druck erzeugt werden. (Ob die Inquisitoren das bei der Hexenverfolgung wohl gewusst haben und deshalb die – zumindest der Darstellung nach oft rothaarigen – Hexen verbrannt haben?)

Auch die Umwelt hat maßgeblichen Einfluss.

Ein Yanomami, der durch den üblichen Initiationsritus gegangen ist – seine Hände in mit 24h-Ameisen gefüllte geflochtene Handschuhe zu stecken – wird sicherlich danach Schmerzen nicht mehr als stark empfinden, bei denen der durchschnittliche Mitteleuropäer zu schreien beginnt. Dazu sollten Sie wissen, dass der Stich dieser Ameise als der schmerzhafteste Insektenstich überhaupt gilt.

Da Frauen anders auf Schmerzen reagieren und auch sehr viel häufiger über Schmerzen klagen, wäre es sicher sinnreich, auch die Herstellung von Schmerzmitteln darauf auszurichten. Schmerzmittel wurden jedoch bisher hauptsächlich an Männern getestet, weil man nicht auf hormonelle Schwankungen und eventuelle Schwangerschaften Rücksicht nehmen musste. Da der Verbrauch an Schmerzmitteln (lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag: Was die gesellschaftliche Bedeutung des Wörtchens „NEIN“ mit psychischen Krankheiten zu tun hat) bei Frauen deutlich höher als bei Männern ist, wurde offenbar bislang die falsche Zielgruppe getestet.

Fazit:

Eine Reihe von Unterschieden zwischen Männern und Frauen sollte in unserem Umgang miteinander bedacht werden. Wenn ich Ihnen hierzu Anregungen geben konnte, freue ich mich. Und ich freue mich auch, wenn Sie diese Erkenntnisse mit anderen teilen.

Natürlich bin ich auch neugierig, wer von Ihnen vielleicht auch ein Fan von Tests ist. Und welche Ergebnisse Sie dabei erreicht haben.

Ihre Claudia Rieck

 

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