Meine 7 Tipps für selbstbewusste Frauen in Männerrunden Zurück

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01.18

Wie Sie vielleicht auf der Basis meiner letzten Blogtexte bereits vermuten, bin ich keine Verfechterin einer Frauenquote. Ich finde, daß allen Frauen, die Interesse an eher männlich besetzten Berufen und Aufgaben haben, jede Unterstützung und selbstverständlich ein gleiches Gehalt zusteht. Auf Grund der unterschiedlichen Veranlagung von Männern und Frauen (siehe auch meinen Blog. 5 Fakten, die Sie über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen kennen sollten) gehe ich jedoch davon aus, daß sich der Anteil der selbstbewussten Frauen in den bislang männlich dominierten Berufen und Führungsebenen nicht signifikant erhöhen wird.

Ich hoffe und wünsche, daß die Akzeptanz der Unterschiede in der Wahrnehmung und Kommunikation von Männern und Frauen sowie ihrer jeweiligen Stärken in gemischten Teams zukünftig dazu führt, daß sich selbstbewusste Frauen nicht an die Struktur der Männer anpassen müssen. Sondern man einen gemeinsamen Weg findet. Vorbildwirkung mögen hier Unternehmen haben, die von einem Paar geführt werden. Denn hier sind gegenseitiger Respekt, gemeinsame Ziele und die Akzeptanz der jeweiligen Stärken der Garant für Unternehmenserfolg. (Eine Zusammenstellung der Unterschiede in Kommunikation und Wahrnehmung werde ich in meinem nächsten Blog veröffentlichen.)

Gegenwärtig sind jedoch zahlreiche Unternehmen nach wie vor hierarchisch organisiert. Und in den oberen Führungsetagen finden sich vor allem Männer. Zudem bleibt eine Reihe von Berufsfeldern strikt in Männerhand – und das betrifft vor allem Ausbildungsberufe wie KfZ-Mechatroniker, Fernfahrer und Zimmerleute. Auch unter Fliesenlegern und Gas-/Wasserinstallateuren finden sich nach wie vor sehr wenig Mädchen und Frauen.

Sind Sie in einer solchen Struktur gelandet? Durch Zufall oder weil Sie die Aufgaben interessant fanden? So sind meine Tipps vielleicht hilfreich für Sie.

Ich selbst habe mein gesamtes Berufsleben als Angestellte (also mehr als 20 Jahre) in männlich dominierten Strukturen verbracht. Die folgenden Ausführungen basieren daher allein auf meiner persönlichen Einschätzung, wie man als Frau in solchen Strukturen erfolgreich agieren kann.

1. Akzeptieren Sie die hierarchische Ordnung!

Auch wenn ich – wie oben dargestellt – eine neue Entwicklung im Umgang miteinander bevorzugen würde, hat man als selbstbewusste Frau aus meiner Sicht in einer hierarchisch organisierten Männerrunde bis zu einer grundlegenden gesellschaftlichen Veränderung nur eine Chance, erfolgreich zu handeln: Sie akzeptieren die Struktur als gegeben und schauen, ob und wie Sie deren Regeln für sich nutzen können.

Übrigens zeigen aktuelle Studien, daß sich Mädchen mit der Akzeptanz einer von Jungs bevorzugten Dominanzhierarchie üblicherweise unbewußt arrangieren. Jungs und Mädchen unterscheiden sich nämlich schon im Kindergarten in der Organisation der Spielgruppen. Bei Jungs gibt es Konkurrenz und Wettkämpfe, nach deren Ergebnissen sich eine reine Jungsgruppe sortiert. Das nennt man Dominanzhierarchie. Die Mädchen organisieren sich immer wieder neu. Wer gerade das interessanteste Spielzeug oder die neuesten Sachen hat, wird als Anführerin anerkannt. Das nennt man Kompetenzhierarchie. Und bereits für Kindergartenkinder gilt: führt man entsprechend organisierte Jungs- und Mädchengruppen zusammen – ordnen sich die Mädchen der Dominanzhierarchie unter.

Und nur nebenbei: in einer Dominanzhierarchie wird in der Regel schnell entschieden und fokussiert umgesetzt. In einer Kompetenzhierarchie ist Platz für neue Ideen und andere Wege; daß Unternehmen heute beides brauchen würden, erschließt sich m.E. von selbst.

In einer Dominanzhierarchie gibt es einen Anführer (Chef) und eine Gruppe Gleichgeordneter. Die Rangkämpfe werden in der Regel nicht mit dem Anführer, sondern in der Gruppe der Gleichgeordneten geführt. Hier gilt es auch als Frau einen Platz zu finden und zu behaupten.

2. Überlassen Sie das Kaffeekochen anderen!

Das ist die einfachste, aber auch eine grundlegende Regel. Als Frau in einem Team von Männern sind Sie ein gleichberechtigtes und gleichrangiges Mitglied. Kommt keiner der Männer auf die Idee, Kaffee oder Kekse zu besorgen, so ist es auch nicht Ihre Aufgabe (und wenn einer auf die Idee kommt, müssen Sie sich ja auch nicht kümmern 😊). Oft neigen wir (erziehungs- und interessenbedingt) dazu, es allen gemütlich und angenehm machen zu wollen. Doch seien Sie sich klar, daß Sie damit eine typisch weibliche Rolle aufgreifen, die Sie aus der Gleichrangigkeit wirft.

Ich habe im Rahmen von Projektarbeiten immer wieder beobachten können, wie wenig Frauen, die sich sofort um diese Themen kümmerten, in der folgenden Diskussion als gleichrangige Gesprächspartner akzeptiert wurden. Seien Sie beschäftigt mit der Vorbereitung des Meetings, um die gezielte Ansprache zu vermeiden, sich um den Kaffee zu kümmern. Finden Sie ein sachliches Argument, warum Sie das gerade nicht übernehmen können, wenn Sie angesprochen werden. Und bitten Sie selbst daher einen anderen Kollegen sich darum zu kümmern. Sind Sie selbst die Gastgeberin eines Meetings, in dem mehrheitlich oder ausschließlich Männer teilnehmen, delegieren Sie die Aufgabe des Kaffeekochens oder -besorgens offen an einen Mitarbeiter –  gern aber auch an einen männlichen Kollegen 😊.

3. Sprechen Sie über Ihre Erfolge!

Viele Frauen erledigen Aufgaben genauso gut oder besser als die männlichen Kollegen. Aber sie reden nicht drüber. Sollten sie aber. Denken Sie daran, daß das ein maßgebliches Kriterium für den Vergleich in der Gruppe ist. Stellen Sie Ihre Erfolge als Normalität dar, während Ihre Kollegen ihre Ergebnisse feiern, hinterläßt das schnell den Eindruck, daß Sie keinen Erfolg haben. Geben Sie Ratschläge, wie Kollegen etwas besser machen können. Machen Sie deutlich, daß Ihre Herangehensweise an ein Problem besonders erfolgversprechend ist. Bieten Sie an, einen kurzen Vortrag über Ihre Herangehensweise zu halten. Laden Sie Kollegen ein, sich bei Ihnen umzusehen, um zu lernen. Und sagen Sie all das in der Gruppe, nicht im Zweiergespräch; alles natürlich sachlich und freundlich.

Das hat übrigens den netten Nebeneffekt, daß Sie sich – falls Sie zu den Frauen gehören, die sich ihrer Mißerfolge immer, ihrer Erfolge aber nur selten bewußt sind – einen objektiven Blick auf Ihre Ergebnisse werfen müssen, um die Dinge zu finden, mit denen Sie glänzen können. Und damit – hoffentlich – sich immer häufiger auch Ihrer Erfolge bewußt werden.

4. Sprechen Sie weiter, wenn Ihnen jemand ins Wort fällt!

Männliche Kollegen haben manchmal die Eigenart, einander ins Wort zu fallen. Oft tun das auch Ihre Vorgesetzten. Nach meiner Beobachtung tendieren Männer dazu, weiterzureden, es sei denn, der Chef spricht ein Machtwort. Frauen jedoch neigen dazu, ihre Aussage abzubrechen, wenn ihnen jemand ins Wort fällt – vermutlich in der (korrekten) Annahme, daß der andere ja nun sowieso nicht mehr zuhört. Ich kann Ihnen nur den guten Rat geben, einfach weiterzusprechen. Gerade in Gruppen ist das sehr sinnvoll, denn man wird Ihre Stimme hören und nicht die des Mannes. (Das konnte ich eindrucksvoll in einem Training zu Fernseh- und Presseauftritten erleben, in der die höheren Stimmen der Damen in Diskussionsrunden mit mehreren Männern auch dann noch zu verstehen waren, wenn sich mehrere Männer gegenseitig ins Wort fielen.)

5. Nehmen Sie Raum ein und sehen Sie den Kollegen und Chefs direkt in die Augen!

Viele Frauen stehen bei Vorträgen auf einem Bein und schieben die Hüfte nach vorn. Sie halten sich an die Begrenzungen ihres Sitzplatzes und sehen Männern in Auseinandersetzungen nicht direkt in die Augen, sondern eher auf den Nasenbereich. Alles Signale, daß Sie sich unterordnen. Also stehen Sie in Zukunft sicher auf beiden Beinen, auch wenn Sie High-Heels tragen. Dabei nehmen sie automatisch die Schultern zurück und stehen gerade. Setzen Sie sich in die Mitte des Us, wenn die Tische so angeordnet sind. Legen Sie den Arm über den Stuhl des Sitznachbarn. Breiten Sie ihre Papiere über den Tisch aus. Schieben Sie die Unterlagen Ihres Nachbarn, wenn sie mehr oder weniger auf Ihrem Platz liegen, zur Seite. Und vor allen Dingen: schauen Sie Ihren Gesprächspartnern direkt in die Augen. Üben Sie, den Blickkontakt aufrecht zu erhalten, auch wenn die Situation angespannt ist. Weichen Sie nicht aus, wenn ein Mann in Ihre persönliche Distanzzone eindringt, auch nicht mit dem Oberkörper. Und halten Sie gerade dann den Augenkontakt aufrecht.

6. Kontern Sie dummdreiste oder chauvinistische oder sexuelle Anspielungen!

Sind Sie außerhalb des rein beruflichen Kontextes (Meetings, Vorträge, …) auch semiberuflich mit Männergruppen unterwegs, kann es hilfreich sein, sich eine dicke Haut hinsichtlich dümmlicher Witze oder Anmachversuche zuzulegen. Oft werden solche Bemerkungen auch als Test dafür benutzt, ob Sie zickig, peinlich berührt oder aufgeregt reagieren. Auch wenn all solche Anspielungen unangemessen sind, ist es dennoch häufig hilfreich, diese auf dem gleichen Niveau zu kontern, als diese als Verfehlungen zu brandmarken und mit dem Gleichstellungsbeauftragten zu drohen. Das können Witze sein oder schlagfertige Antworten, die denjenigen selbst in ein ungünstiges Licht setzen. Selbstverständlich betrifft das nicht eindeutige sexuelle Übergriffe! Hier müssen Sie sehr deutlich eine klare Grenze ziehen. Ich muss jedoch an dieser Stelle sagen, daß ich in all den Jahren niemals sexuell belästigt worden bin (worunter ich Berührungen verstehe, die nicht gewünscht sind – und zwar nicht nur am Körper, sondern auch im Gesicht oder am Haar).

Hier eine Auswahl meiner Highlights:

„Frauen gehören an den Herd, der Herd in den Keller und der Keller unter Wasser!“   –  „Ja, das würde Ihre Anstrengungen, wieder schlank zu werden, sicher unterstützen!“

„Mein Gott, bist du heute zickig! Hast Du Deine Tage?“  – „ Klar, alle Tage sind meine Tage. Wie sieht‘s mit deinen aus?“

„Mann, vor 500 Jahren hätte man dich noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt (wütend und mit Bezug auf meine roten Haare)!“ –  „Vielleicht, aber vorher hätte ich dich noch in ein Kaninchen verwandelt!“

„Für eine Frau nicht schlecht!“– Strahlendes Lächeln und: „Ich warte schon seit Monaten, daß du mir zeigst, wie es für einen Mann nicht schlecht ist!“

7. Seien Sie trotzdem Frau und nutzen Sie diese Vorteile!

Frauen sind in der Regel sprachlich sicherer, sie können besser argumentieren, weil sie schneller reden und bessere Bilder finden können. Zudem können sie sich in der Regel mehr Einzelheiten merken, was gerade bei Vorträgen und in Meetings äußerst hilfreich für die Argumentation ist.

Oft sind sie tatsächlich mehr auf Verbindung mit anderen Menschen orientiert, was gerade dann hilfreich ist, wenn Sie in einer Führungsposition arbeiten und Ihr Team hinter sich bringen wollen. Auch können Frauen tendenziell eher Fehler und Unwissenheit zugeben. Beides ist nach meiner ganz persönlichen Erfahrung sehr hilfreich, um sich von den eigenen Mitarbeitern jede mögliche Unterstützung zu holen. Stehen Sie dann wie jede gute Führungskraft unabhängig vom Geschlecht vor Ihren Mitarbeitern, ist Ihnen deren Unterstützung langfristig gewiß.

Und ziehen Sie sich an wie eine Frau (nicht wie ein Vamp!). Tragen Sie Röcke und Absatzschuhe. Bleiben Sie bei offenen Haaren und Schmuck, wenn Sie sich wohl damit fühlen. Und wählen Sie Ihre Farben nach Ihrem Typ und nicht aus den üblichen Businessfarben (dunkelblau, grau und anthrazit). Inwieweit Ihnen das nutzt, macht eine Studie deutlich, in der man eine Reihe von Männern in einem Raum warten ließ, um an einer Studie über Geschlechtergerechtigkeit teilzunehmen. Eine durch den Raum laufende Frau ließ „versehentlich“ einen Bleistift fallen. Trug die Frau High-Heels, hoben 80% der anwesenden Männer den Stift auf. Trug die Frau flache Schuhe, nur 50% …

Nutzen Sie gerade den letzten Tipp aber nur dann, wenn Sie die ersten 6 umsetzen, sonst wirkt das natürlich eher kontraproduktiv.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen, aber auch Spaß dabei und freue mich über alle Meinungen!

Ihre Claudia Rieck

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