Warum Sie sich 2018 mit Ihrem inneren Schweinehund anfreunden sollten: Zurück

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12.17

Das Jahr 2017 neigt sich unwiderruflich dem Ende zu. Und viele von Ihnen – ich natürlich auch – brüten sicher schon seit einiger Zeit über den Zielen für 2018. Vielleicht schauen manche von Ihnen auf die Ziele von 2017 und runzeln frustriert die Stirn, weil wieder ein paar Ziele auf der Strecke geblieben sind. Und wer ist schuld? Der Schweinehund! Genau, der innere, gemeine, böswillige Schweinehund.

Was ist ein Schweinehund überhaupt?

Zur Herkunft des Wortes gibt es unterschiedliche Geschichten. Allen gemeinsam ist, daß es sich nicht um die fabelhafte Vermischung eines Schweines mit einem Hund handelt, in deren Ergebnis der Schweinehund entstand (meine Tochter hatte als Kleinkind so ein Holzpuzzle, wo solche Kreaturen zusammengebaut werden konnten). Sondern das es sich um einen Hund handelt, der auf die eine oder andere Weise mit Schweinen zu tun hatte.

Variante 1

Variante 1 geht von dem sogenannten Sauhund aus. Dieser wurde gezüchtet, um Jäger bei der Jagd auf Wildschweine zu unterstützen. Diese robusten, mutigen und schnellen Hunde hatten die Wildschweine zu hetzen, zu stellen und festzuhalten. Wer schon mal verletzte oder aus anderen Gründen aggressive Wildschweine erlebt hat, weiß, daß das keine Arbeit für zaghafte, faule und unentschlossene Hunde war. Im Gegenteil, diese Hunde galten eher als bösartig und schwierig. Dies ist wohl auch die Grundlage für den Begriff des menschlichen Schweinehundes. Dem man ja ebenfalls eher Gemeinheit und Bösartigkeit als Faulheit unterstellt.

Diese Bösartigkeit wurde später zu niederen Instinkten umgedeutet. Noch bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten warf ein Politiker denselben vor, sie hätten mit ihrem Wahlkampf auf den inneren Schweinehund der Menschen (also auf dessen niedere Instinkte) abgezielt. In Folge wurde auf die niederen Instinkte im Militär Bezug genommen. Auch wenn hier unter niederen Instinkten dann Faulheit und Drückebergerei verstanden wurde. Daraus sei unser heutiges Verständnis des inneren Schweinehundes entstanden. Das sind mir zu viele Wendungen in der Bedeutung, als das ich diese Variante für die schlüssige halten könnte.

Variante 2

Variante 2 geht vom Hütehund des Schweinehirten aus. Der – weil der Beruf des Schweinehirten wenig angesehen war – als ein fauler und unentschlossener Hund interpretiert wird. Historisch betrachtet kann ich mich jedoch auch für diese Variante nicht so recht erwärmen. Waren doch Schweinehirten nicht so schlecht angesehen, wie man meinen möchte. Da Schweine ein wichtiger Fleischlieferant waren (mehr als Rinder oder Ziegen und Schafe) wurden Schweinehirten von den Gemeinden und Städten nicht schlechter besoldet als andere Hirten, z.T. sogar besser. Dazu kommt, daß die Schweine zum Zwecke der Mast häufig in Wälder getrieben wurden, wo zu damaligen Zeiten noch Wolfsrudel lebten. Ein Schweinehund hatte also hier nicht nur die Aufgabe, in einem unübersichtlichen Terrain die Rotte zusammenzuhalten. Sondern auch, sie gegebenenfalls gegen Wölfe zu verteidigen. Ein fauler und unentschlossener Hund hatte hier wohl kaum eine Chance.

Mir scheint am wahrscheinlichsten, daß der in Variante 1 bereits erwähnte Sauhund der Urvater unseres inneren Schweinehundes ist. Und zwar nicht, weil er unentschlossen und faul ist, sondern weil er eben bösartig und entschlossen ist. Und das ist ja das, was wir an unseren eigenen inneren Schweinehunden so anstrengend finden. Bösartig und entschlossen halten sie uns von unseren positiven und guten Zielen ab.

Können Sie nun etwas gegen diesen inneren Schweinehund tun?

Nein. Denn Sie können nichts gegen ihn tun – so viele hilfreiche Ratschläge Sie hier auch in Büchern und Internetartikeln lesen. Sie können aber etwas mit ihm gemeinsam tun.

Dazu sollten wir zunächst einmal unseren Blick auf den Schweinehund verändern. Ist er tatsächlich der Böse, der nur Schlechtes will und wir sind im Kampf mit ihm, weil wir das Gute wollen?

Ist denn der innere Schweinehund ein von uns unabhängiges, uns von außen aufgedrängtes Wesen? Oder ist er nicht vielmehr ebenso ein Teil von uns wie der, der die tollen Ziele für das nächste Jahr schreibt? Ich hoffe, die meisten von Ihnen bejahen die letzte Frage. Wenn der innere Schweinehund also ein Teil von uns ist, hat er auch eine positive Absicht für uns. Denn sonst würde er sich ja letztlich selbst schaden.

Setzen Sie sich mit Ihrem inneren Schweinehund auseinander.

Es gilt also, zunächst einmal herauszufinden, was denn seine positive Absicht sein könnte (z.B. Pralinen essen – Belohnung für einen schweren Tag). Haben Sie diese positiven Absichten gefunden, so stellen Sie Ihre formulierten Ziele diesen gegenüber. Mit diesen Zielen verfolgen Sie ja ebenfalls positive Absichten (z.B. Obst und Gemüse statt Schokolade und Pizza essen – abnehmen und leistungsfähiger sein). Leichter fällt das, wenn Sie sich vorstellen, jede der beiden positiven Absichten würde tatsächlich von einer Person vertreten. Und Sie seien der Chef der beiden. Wenn nun beide die jeweils positive Ansicht des anderen akzeptieren, dann sollte es Ihre Aufgabe sein, einen Kompromiss oder eine Übereinkunft zwischen beiden zu erzielen. Z.B. einmal in der Woche nach einem langen Arbeitstag und bei ansonsten gesunder Ernährung eine Tafel Schokolade essen zu dürfen (Kompromiss). Oder selbst eine Süßigkeit aus gesunden Zutaten herzustellen, die dann mit gutem Gewissen verzehrt werden kann (Übereinkunft). So beenden Sie den Kampf mit dem inneren Schweinehund und geben ihm das Gefühl, Mitglied des Teams zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Ziele für 2018!

Ihre Claudia Rieck

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