Magst du so heiße Sommer, wie wir sie in den letzten Jahren hatten? Oder liebst du den kühlen Wind des Herbstes?

Ich halte es da mit Mark Twain: „Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun,
wozu es im Winter zu kalt war.“ 😊 😊

Aber im Ernst, das war gerade jetzt Ende August doch nicht mehr wirklich schön, oder? Ich will mich ja nicht beklagen, denn immerhin waren ja zahlreiche Wochen dieses Sommers wirklich angenehm temperiert. Um so unerfreulicher fand ich die nun – hoffentlich – letzte Hitzewoche dieses Sommers. Angeregt durch meine Unfähigkeit zu schreiben habe ich einiges zum Thema Hitze gelesen, was ich dir nicht vorenthalten will.

Zunächst mal die wichtigen Fakten zum Funktionieren unseres Körpers in der Hitze:

Nun weißt du natürlich, daß unser Körper es mit zahlreichen Mechanismen schafft, die erforderlichen ca. 37° C dauerhaft und langfristig aufrecht zu erhalten. Unser – recht schmaler Wohlfühlkorridor liegt zwischen 28°C (nackt) und 21°C (bekleidet); dann nämlich muß der Körper weder kühlen noch heizen. Eine optimale Situation für die Verwendung unserer Energie. Natürlich ist eine höhere Temperatur in begrenzten Zeiträumen gut zu verkraften, sonst dürften wir weder krank werden noch Sport treiben.

Schwitzen ist bei Hitze das bekanntermaßen hilfreichste Mittel. Wird die Temperatur des Körpers zu hoch, tritt – gesteuert vom Hypothalamus – das autonome Nervensystem in Aktion und läßt die Schweißdrüsen arbeiten. Davon besitzen wir immerhin zwischen 2 und 4 Millionen. Frauen besitzen übrigens 30% weniger Schweißdrüsen als Männer – ein Grund, warum sie mehr unter der Hitze leiden (54% : 36%). Testosteron sorgt bei Männern zudem für einen schnelleren Schweißfluß, so daß sie effektiver kühlen können. Unter der Haut – viel wichtiger – weiten sich die Adern, um unter der jetzt gekühlten Haut mehr Blut wieder abgekühlt Richtung Herz transportieren zu können. Jetzt fließen fast 80% des Blutes durch die gekühlte Haut (sonst sind es lediglich 10%!). Das senkt den Blutdruck und erhöht die Schlagzahl des Herzens – ein Gefühl, das ich zumindest als nahe der Ohnmacht kennengelernt habe. Außerdem verlieren wir durch das Schwitzen Wasser – das können bis zu 1,5L am Tag sein. Das reduziert die Blutzufuhr zu den wichtigen Organen natürlich weiter.

 

Hitze macht geil.

Das ist ja mal ein netter Nebeneffekt eines ansonsten nicht so tollen Themas, oder? Das ist nicht nur den kurzen Röcken und Shorts und den tiefen Ausschnitten geschuldet, auch nicht den Menschenmengen, die mehr Körperkontakt erlauben als in den dunkleren und kühleren Monaten des Jahres. Sondern: zum einen ist unsere Haut besser durchblutet – was natürlich auch die Geschlechtsorgane betrifft. Bei Männern kann es hier sogar zu einem sogenannten „Sommerpenis“ kommen. Und auch wenn die Geschlechtsteile der Frauen nicht so stark anschwellen, so hat die bessere Durchblutung natürlich auch erregende Effekte. Zum anderen spielt die deutlich höhere Anzahl an hellen Stunden eine Rolle, denn das sorgt für einen höheren Ausstoß von Serotonin, daß nicht nur als Glücks- sondern auch als Sexualhormon bezeichnet werden kann. Die Hitze sorgt ihrerseits bei den Männern für eine erhöhte Testosteron-Produktion – eigentlich für das Schwitzen, aber mit Nebeneffekten auf Lust und Verhalten. Dumm ist nur – und führt im Zweifel zu den im nächsten Absatz erörterten Verhaltensweisen – wenn man vor lauter Schweiß und Schlappheit nicht weiß, wie man die latente Lust abbauen soll. Denn mal ehrlich, schweißnasse Körper und anstrengende Stellungen bei Nachttemperaturen über 25° C? Doch natürlich hält das Internet zahlreiche Vorschläge für die Bewältigung dieses Problems bereit – denn ist man schon mal überdurchschnittlich bereit, sollte man es auch krachen lassen. (So zum Beispiel hier: in fitforfun)

 

Hitze macht aggressiv.

Bestimmt kennst du das auch, wenn im Verkehr an heißen Tagen noch mehr mit dem Mittelfinger gedroht, geschrieen oder geschubst wird? Und du überhaupt keine Lust hast, jemandem irgendetwas in seinem Verhalten nachzusehen? Das ist nicht nur dein (und mein) subjektives Gefühl, nein, dazu gibt es bereits zahlreiche Studien: die Hilfsbereitschaft sinkt, man greift schneller zur Waffe. Eine Studie, die Werte aus 60 Ländern auswertete, faßt ihre Ergebnisse in der erschreckenden Prognose zusammen, daß mit jedem Grad der Klimaerwärmung die Mordrate um 6% steigen könnte. Allerdings ist das nicht allein der Temperaturerhöhung geschuldet, sondern vor allem den daraus entstehenden veränderten Verhaltensweisen – es wird weniger geschlafen, mehr Alkohol getrunken, man ist nicht mehr durch Haus und Wohnung voneinander abgegrenzt, sondern drängt sich im Grünen und am Wasser. Durch die Hitze wird mehr Testosteron aktiviert – was Mann zum Schwitzen braucht und …. bumm.

Und vielleicht ist diese Aggressivität auch bei Homo sapiens zur Bewältigung akuter Umweltstresssituaionen angelegt? Aus der Verhaltensforschung bei Spinnen kommt ein entsprechender Ansatz. Die Spinne Anelosimus studiosus ist eine Spinne mit einem sehr interessanten Unterschied zu den meisten anderen Spinnenarten. Sie lebt nämlich in Kolonien. Manche davon sind ausgesprochen friedlich, andere sehr aggressiv. Die wachsende Anzahl von Zyklonen, die durch ihren Lebensraum ziehen, machen jedoch den aggressiveren der Kolonien deutlich weniger aus – im Gegenteil, diese breiten sich gerade in den von Zyklonen betroffenen Gebieten immer weiter aus. (Serienproduzenten haben das schon vor den Biologen gewußt – in den apokalyptisch gefärbten Serien wie „The Walking Dead“ sieht man genau das schon seit Jahren.) Keine schöne Aussicht für unseren Planeten.

 

Hitze macht dumm.

In einem Test haben Forscher in Amerika die Leistungsfähigkeit von Studenten untersucht, von denen die eine Gruppe in einem gekühlten Wohnhaus lebte, die andere in einem ungekühlten. Mit dem Ansteigen der Hitze in dem nicht gekühlten Gebäude sanken die sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten der Bewohner um ca. 15% im Vergleich zu den Kommilitonen im gekühlten Gebäude. Das liegt vermutlich nicht nur an der reduzierten Blutversorgung des Gehirns, sondern auch an dem ähnlich wie Schmerz empfundenen allgemeinen Unwohlsein während einer Hitzewelle. Bei Schmerz kann man sich ja bekanntlich auch nicht so richtig konzentrieren. Zudem verlieren wir durch das Schwitzen ja nicht nur Wasser, sondern auch Mineralien, die häufig genug nicht ausreichend wieder zugeführt werden. Schon bei 38°C Körpertemperatur lassen sich deutliche Verluste im Denkvermögen messen; bei höheren Temperaturen ist der Mensch geistig in der Regel nicht mehr aktionsfähig. Zudem können schon wenige Prozent Verlust an Körperflüssigkeit das Denken massiv verlangsamen. Ein Problem auch für den Straßenverkehr und das Führen von Maschinen.

 

Hitze macht nicht nur müde, sondern sogar krank oder tot.

Die erhöhte Schlagzahl des Herzens und insgesamt die Belastung unseres Kreislaufs wird vor allem nachts zum Problem. Denn bei uns reichen schon Temperaturen oberhalb von 20°C, um diese erhöhte Herzleistung aufrecht zu erhalten. Die Folge: man schläft schlechter und das Herz-Kreislauf-System kann sich auch nachts nicht erholen. Schon 1° C über dem Normalwert der Nacht führt zu durchschnittlich 3 durchwachten Nächten mehr. Darunter leiden nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch das Immunsystem und die Stimmung.

Schon in trockenen Gebieten kann der menschliche Organismus oberhalb von 50° C seine Kühlung nur über eine sehr begrenzte Zeit aufrechterhalten. Mittlerweile hat es unsere Spezies mittels Klimawandel geschafft, daß auch an bisher bewohnten Orten der Erde zukünftig jeder dem Tode geweiht ist, der einige Zeit außer Haus verbringt. So wurden 2016 in Kuwait und 2017 in Pakistan Werte über 53° Celsius gemessen. Aber auch 2019 wurden in Port Augusta in Australien und in Algerien am Rand der Sahara in den Sommermonaten die 50° C fast erreicht. Problematisch finden die hier lebenden Menschen jedoch vor allem, daß es anders als früher auch nachts kaum noch kühler wird.

Was jedoch, wenn die Luftfeuchtigkeit der Außenwelt ein effektives Schwitzen verhindert, weil sowieso schon ein Feuchtigkeitsfilm auf der Haut liegt? Bei 100 % Luftfeuchtigkeit und 35° C Außentemperatur sterben dann auch die fittesten Menschen innerhalb weniger Stunden. Denn: der Abkühlungsmechanismus funktioniert nicht mehr, die Körpertemperatur steigt. 40° sind die kritische Grenze; das unwiderrufliche Ende kommt bei 42°. Das ist dann übrigens das, was gemeinhin als Hitzschlag bekannt ist.

Doch so schlimm muß es für einen Todesfall gar nicht kommen. Da reicht schon Unterversorgung mit Wasser und den notwendigen Elektrolyten (gerade bei alten Menschen und Kleinkindern) für Kreislaufversagen mit anschließender Ohnmacht und Herzversagen. Das nennt man dann Hitzekollaps. Dieser kommt oft auch dann vor, wenn die absoluten Temperaturen gar nicht so hoch sind, die Differenz zu den sonst üblichen allerdings schon, oder wenn die hohen Temperaturen – auch nachts – dem Herz-Kreislauf-System keine Pause gönnen und es dann schlicht wegen Überlastung aufgibt.

Und abschließend: Hitze trifft nicht alle gleichermaßen. Denn – was du dir ebenso wie ich schon gedacht haben wirst – wir sind genetisch an Hitze oder Kälte angepaßt. Das hat etwas mit dem gemeinsamen Stammbaum des Lebens von Bakterien, Pflanzen und Tieren zu tun. Da hat die Wissenschaft nämlich LUCA gefunden (LUCA = Last universal common ancestor). Und siehe da, der war offenbar noch hitzesensibel und lebte in einer Umgebung, in der es kühler als 50° C war. Offensichtlich haben unterschiedliche Spezies erst später hitzestabile Bausteine erworben – wahrscheinlich übrigens von den Viren übernommen. Heute kann man die genetischen Unterschiede in der Hitzeanpassung zum Beispiel an der Arbeitsweise unserer Mitochondrien erkennen (du erinnerst dich? Kraftwerke der Zelle?) In kalten Gegenden erzeugen diese mehr Wärme als in warmen Klimazonen. Es ist also schwierig, als Inuit im Jagdgebiet der Yanomami zu überleben – und umgekehrt. Umgekehrt wäre schon deshalb schwierig, weil die Inuit von den etwa zeitgleich mit den Neanderthalern lebenden Denisova – Menschen ein Gen übernommen haben, das ihnen ermöglicht, aus Körperfett Wärme herzustellen. Kein Wunder also, daß ich mit einem genetischen Potential aus Nordeuropa und Nordrussland (kein Witz, habe ich testen lassen), Hitze sehr viel anstrengender finde als mein Exmann, der genetische Wurzeln in Süd- und Südosteuropa hat. Dafür bin ich dann bevorteilt, wenn wieder die dunkle Jahreszeit anbricht – das macht mir nämlich wenig aus. Mehr über Dunkelheit, Schlaf und Biorhythmus findest du in meinem nächsten Blog im Oktober.

 

Fazit:

Wir kommen an dem Thema Klimakollaps mittlerweile nirgends mehr vorbei. Auch diese Erkenntnisse sprechen ja für sich. Wer will schon eine Welt mit zahlreichen unbewohnbaren Ecken, immer auf der Flucht vor geilen, aggressiven, dummen Vertretern unserer Spezies. Als bekennender Fan von Science-Fiction-Literatur verstehe ich immer besser, warum apokalyptische Szenarien in fast allen Werken die Regel sind. Noch haben wir es in der Hand, jedoch lese ich immer wieder, daß zum Beispiel dies und jenes im Klimaschutz nicht realisierbar ist, weil das unseren Wohlstand untergräbt. Da haben wohl zahlreiche Leute noch nicht verstanden, daß der Klimawandel oberhalb von 1,5° C Erderwärmung dann nicht nur den Wohlstand untergräbt.

 

In diesem Sinne wünsche ich gutes Nachdenken und neue Aktionen.

 

Deine Claudia

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