Du stößt auch immer mal wieder auf das Thema? Mal von der Seite der Feministen, mal von der Seite der Mütter, mal von der Seite der Statistiker. Und du diskutierst das vielleicht auch im Kreis deiner Freunde? Hier findest du meine Antworten auf diese Frage:

1. Weil gar nicht Gleichberechtigung angestrebt wird, sondern Gleichheit.

Wenn ich mir die Diskussionen zu dem Thema so ansehe (und ich kenne sie seit meiner Kindheit), so geht es zunächst einmal um die formale juristische und finanzielle Gleichstellung von Männern und Frauen. Juristische Gleichstellung haben wir in Europa seit Ende des 20. Jahrhunderts, nachdem 1971 auch die Schweiz die juristische Gleichstellung der Frau beschlossen hat. Finanzielle Gleichstellung haben wir nicht. Nicht nur auf Grund der unterschiedlichen Berufswahl, der Karrierewege und der Arbeitszeit, sondern sogar in gleichen Aufgabenbereichen und Funktionen.

Doch beschäftigt mich – und offenbar auch andere – folgt man den zahlreichen Publikationen in letzter Zeit zur Frage der Doppelbelastung von Frauen – schon seit längerem die Frage, warum trotz vielfältiger Möglichkeiten so wenige Mädchen und Frauen die Chance auf Karriere und Führungspositionen oder auf Aufgabenbereiche in typischen Männerdomänen nutzen.

Ich habe lange Jahre – auch mit Baby und Kleinkind – in leitender Position gearbeitet. Und ich habe immer wieder versucht, fachlich und menschlich herausragende Kolleginnen in Führungspositionen zu bringen. Das scheiterte in der Regel tatsächlich am Willen der Frauen. Sie wollten die Verantwortung nicht, der Status war ihnen nicht wichtig, sie befürchteten Einschränkungen in ihrer Verfügbarkeit für Kinder und Familie.

Jahrelang habe ich das eben als gegeben hingenommen.

Nun arbeite ich seit 5 Jahren auf Therapie- und Coachingbasis mit Männern und Frauen. U.a. auch an Zukunftsentwürfen und Karrierewegen. Und wieder begegnet mir dasselbe Phänomen.

Also schaute ich etwas tiefer, las und hörte, was andere dazu meinten. In der Zwischenzeit bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass vermutlich unbewußt hinter der Diskussion über Gleichberechtigung zwei Annahmen stehen:

  • zum einen das Grundverständnis, dass alle alles können und es keine angeborenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt und
  • dass deshalb Frauen selbstverständlich das erlernen können, was Männer in ihren Aufgabenbereichen erfolgreich macht.

Ein gutes Bild hierfür geben die klassischen Frauencoachings ab, die Frauen für Führungspositionen in männerdominierten Aufgabenbereichen fit machen sollen.

Dort lernt man als Frau z.B., so zu stehen wie Männer. Sich so zu setzen und so viel Platz einzunehmen wie Männer, ja sogar sich anzuziehen wie Männer. Frauen im Businesslook sehen daher genauso langweilig aus wie Männer im Businesslook. Meine gelben und grünen Kostüme waren daher ebenso wie meine langen offenen roten Haare und meine Vorliebe für auffälligen Schmuck allen Stilberaterinnen und Businesstrainerinnen, die mir in meiner Laufbahn begegnet sind, ein Dorn im Auge. Meine männlichen Kollegen mochten das übrigens….

Auch versucht die Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sich viel mehr Mädchen für die klassischen Jungsberufe entscheiden. Viel intensiver übrigens, als Jungs davon zu überzeugen, in die klassischen Mädchenberufe zu gehen (Was wiederum angesichts der Bezahlung in den klassischen Frauenberufen nicht verwundert.)

All das ist in der Kibbuzbewegung in Israel bereits vorweggenommen worden – mit dem Ergebnis, daß dort eine Gegenbewegung entstand, die Gleichberechtigung als Gleichwertigkeit versteht. Gleichwertig in bezug auf den Beitrag für die Gemeinschaft.

2. Weil im realen Leben dennoch die Fürsorge für die Kinder, die Familie und den Haushalt auf den Schultern der Frauen liegt.

Das reale Leben – und das haben viele von euch wie ich erlebt –  bringt auch bei uns immer wieder zum Vorschein, dass Frauen die Kindererziehung und die Familienarbeit zu größeren Teilen übernehmen. Akzeptiert man jetzt, dass das keine gesellschaftliche Erziehung ist, sondern eine weibliche Neigung, könnte das zu neuen Lösungsansätzen führen. Wie groß der Anteil ist, ist gerade wieder in den einschlägigen Medien publiziert worden. Basis hierfür ist der Väterreport des Bundesfamilienministeriums (hier kannst du den Text nachlesen).

Spannend fand ich zum Beispiel, dass 65% meiner Generation (50-65Jahre) das Modell „Männer arbeiten Vollzeit, Frauen Teilzeit und kümmern sich um die Familie“ gut finden, aber in der Generation der 18-34jährigen auch noch 59%. Da hat sich trotz jahrzehntelanger Diskussion wenig getan. Allerdings können sich unter den Jüngeren sehr viel mehr eine Vollbeschäftigung beider Partner und eine Aufteilung der Familienarbeit vorstellen (54% im Vergleich zu 41% in meiner Altersklasse).

Das hat aber meines Erachtens unter dem gegenwärtigen Denkmodell nur eins zur Folge: eine noch höhere Belastung der Frauen, die dann Vollzeit arbeiten, beruflich erfolgreich sein wollen und dennoch den Hauptteil der familiären Verantwortung tragen. Kein Wunder, dass in den letzten Jahren der Anteil der Frauen an psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angst, aber auch an Tablettenabhängigkeit immer höher wird.

3. Weil Gleichberechtigung die Anerkenntnis von Unterschieden bedeuten würde.

Würden wir nun – wie die Frauen in den Kibbuzim – davon ausgehen, dass echte Gleichberechtigung die gleiche Wertigkeit unterschiedlicher Fähigkeiten und Neigungen bedeuten würde, würden sich die Türen für andere, dann gesellschaftlich anerkannte Lebensmodelle öffnen.

(Fakten, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen belegen (biologisch und in Denken und Verhalten) werde ich in meinem nächsten Newsletter vorstellen. Und wer wissen möchte, was der Anteil der Frauenbewegung an unserer heutigen Situation – positiv wie negativ  – ist, muß auf den übernächsten warten…)

Fazit:

Jede gute Führungskraft weiß, daß die beste Mannschaft aus möglichst unterschiedlichen Leuten besteht, weil sich nur dann die Summe der Fähigkeiten potenziert.

Wie anders könnte unsere Gesellschaft aussehen, wenn wir die weibliche Neigung zur Fürsorge und sozialen Bindung rechtlich, finanziell und moralisch genauso bewerten und vergüten würden wie die männliche Neigung zur Entscheidung , Status und Wettkampf.

Was das für dich als Frau konkret bedeuten kann, liest du in meinem vierten Blog in dieser Serie.

 

Subscribe To Our Newsletter

Join our mailing list to receive the latest news and updates from our team.

You have Successfully Subscribed!