Nachdem ich mich im letzten Monat mit den körperlichen und geistigen Folgen der dunklen Monate auseinandergesetzt habe, möchte ich dir in diesem Artikel die zahlreichen Feste der letzten Monate des Jahres, ihrer Verwurzelung in unserer Vergangenheit und ihre wichtigsten Ratschläge an uns vermitteln.

Eigentlich beginnt die Zeit der Jahresendfeste schon im September. Die meisten Getreidearten sind dann bereits geerntet. Da aber nach der Ernte noch die Ausbringung der neuen Saat erfolgen muß und auch im Oktober noch Ernten (z.B. Mais) anstehen, ziehen sich die Erntedankfeste von Mitte September bis Mitte Oktober.

 

Wir danken für die Fruchtbarkeit, für die Ernte, für unser Wohlergehen.

Ein altes Fest ist das Fest des Mabon (eines walisischen Gottes), das am Tag der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche stattfindet, also in einer Zeit zwischen dem 21. und 23. September. Die zugehörige Geschichte berichtet von dem kleinen Jungen der Erdgöttin, der verloren ging und von Tieren in der Anderwelt wiedergefunden und zurück ans Licht gebracht wurde.  Deshalb wurde das Fest des Mabon in alter Tradition auch mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Eine letzte Garbe blieb auf dem Feld stehen und wurde geschmückt, weil sich in ihr nach altem Glauben die Fruchtbarkeit des Feldes wiederfand. Junge Mädchen und Schwangere wurden über die geschmückten Ähren gehoben, um gleichermaßen Segen für die Fruchtbarkeit des Feldes und der Menschen zu erbitten. Bei uns findet sich vergleichbare Feste vor allem in Weingebieten als Wein- und Winzerfeste wieder, die in der Zeit um die herbstliche Tag- und Nachtgleiche stattfinden.

Früher war der Lauf der Natur für die Menschen maßgebend und so bedeutete der Wechsel von langen Tagen und kurzen Nächten zu kurzen Tagen und langen Nächten auch einen Wechsel in der Lebensweise. Die Arbeiten in der Natur waren zu großen Teilen beendet, die Natur selbst stellte sich langsam auf den Winter ein. Mit der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche wird die Zeit der Gemeinsamkeit, die Zeit des Geschichtenerzählens, die Zeit der Auswertung des vergangenen Erntejahres und die Vorbereitung auf ein neues Erntejahr eingeleitet. Aber auch Furcht vor der Mühsal des Winters, vor der Kälte, der Dunkelheit haben die Menschen von alters her bewegt. Und so wurden Feste gefeiert und die Häuser bunt geschmückt, um das Überschreiten der Schwelle in die dunkle Jahreszeit leichter zu machen.

Auch wir registrieren heute, daß sich Laub und Gräser verfärben, doch mittels der (unsinnigen) Sommerzeit versuchen wir, unseren Sommer noch einmal zu verlängern, indem wir noch weitere Monate abends mehr Licht haben. Natürlich ändert das gar nichts an den länger werdenden Nächten, wie du vielleicht morgens stöhnend feststellst, doch erlaubt es uns, die Illusion des Sommers, den immerhin 50% der Deutschen als die schönste Zeit des Jahres betrachten, noch ein wenig bei uns zu behalten. Nur 8,5% der Deutschen mögen den Herbst, und interessanterweise noch weniger den Winter (ca. 6%). Dabei scheint das ein wenig mit den Geburtsmonaten zusammenzuhängen – Wintergeborene mögen Herbst und Winter augenscheinlich deutlich lieber als Sommergeborene. Und in den Sommermonaten gibt es die meisten Geburten. Von Juli bis September schwanken seit Jahrhunderten die geburtenreichsten Jahrgänge. Nun ja, du kannst ja mal reichlich 9 Monate zurückrechnen. Wo landest du? Nach der Tag- und Nachtgleiche und den damit einhergehenden Erntedank- und Fruchtbarkeitsfesten.

Übrigens war bei uns in Deutschland in diesem Jahr erst am 06.10. Erntedankfest. Das ist der erste Sonntag im Oktober, der Tag, auf den die Bischofskonferenz 1972 das Erntedankfest gelegt hat. Dennoch ist das kein allgemein kirchlicher Feiertag, denn das Kirchenjahr, das an der Heilsgeschichte Jesu Christi orientiert ist, kennt kein Erntedankfest. Nachdem, was du jetzt hier schon gelesen hast, kannst du dir sicher vorstellen, daß ein solches Fest den frommen Männern eindeutig zu viele heidnische Bezüge hatte.

 

Geister, Engel und Heilige begleiten uns durch die dunklen Monate am Ende des Jahres.

Lautet schon die alte Bezeichnung für September „Scheiding – Zeit des Scheidens“, so wird der Bezug auf das Ende des Jahres mit dem Oktober noch deutlicher. Der hieß früher nämlich Gilbhard – ein Hinweis auf die herbstliche Zeit des Vergilbens und Fallens der Blätter. Beides deutet auch wieder Unbehagen vor der Winterzeit an.

Dazu paßt der am 29.09.  gefeierte Michaelistag. Denn dieser gilt zum einen noch immer als Lostag (also als vorausschauend für die nächsten Ernten, z.B.: „kommt Michael heiter und schön, wird es noch vier Wochen so weiter gehen.“), zum anderen aber auch als der Tag des Erzengels Michael, der als Bezwinger Satans, also des Bösen, gilt und zum Schutz des Himmels gegen einen Drachen kämpfte. Interessanterweise lagen auf diesem Tag oft auch fällige Pacht- und Zinszahlungen. So ging man schuldenfrei (also gut) in den Herbst. Michael ist der Engel des Mutes und der Kraft und beschützt die Menschen auf ihrem spirituellen Lebensweg. Sein Mut ist nicht der der Draufgänger, sondern der Barmherzigen und Gerechten. Es gibt eine alte Redewendung: Der Michel zündet das Licht an – ein deutlicher Hinweis auf die nun dunkler werdenden Tage.

Wie sehr gerade die letzten drei Monate des Jahres im Denken der Menschen früher mit märchenhaften und dämonischen Gestalten und Wesen verbunden war, kann man zum Beispiel an dem im germanischen Kulturkreis um den 14./15.10.  gefeierten 2. Disenopferfest (das erste findet im Februar statt) erkennen. Das ist ein Opfermahl mit Gelage, das meist nachts gefeiert wird. Die Disen sind der germanischen Mythologie entstammende weibliche Wesen, die ebenso als Geburtshelferinnen wie auch als Künderinnen des nahenden Todes galten. Sie waren Schutzgeister, aber auch die Verkörperung der feindlichen Elemente. Nachvollziehbar, daß ihnen daher angesichts des nahenden Winters Opfer gebracht werden mußten. Diese Opfer sollten ein friedliches und fruchtbares nächstes Jahr sicherstellen. Auch der eigenen Ahnen wurde an diesem Tag mit dem Fest gedacht.

Und wenn dir auch die Disen bis heute unbekannt waren – Halloween ist das mit Sicherheit nicht. In meiner Kindheit gab es das Fest nicht, aber seit der Geburt meiner Tochter bin ich jedes Jahr wieder damit konfrontiert. In der Zwischenzeit habe ich mir auch eine Maske zur Begrüßung der spendensammelnden Kinder zugelegt – die du auf dem Bild oben siehst. Halloween ist aus Amerika zu uns gekommen, dabei gab es diesen Tag mit der entsprechenden Bedeutung in Europa  schon seit alters her. Halloween (verkürzt für All Hollow Evening), gefeiert am 31.10. , am Abend vor dem katholischen Allerheiligen-Fest am 01.11., haben die irischen Einwanderer aus ihrer keltischen Vergangenheit mit nach Amerika gebracht, von wo aus es seinen kommerziellen Siegeszug zurück nach Europa angetreten hat. Samhain – wie dieses Fest bei den Kelten hieß, war eines der vier großen keltischen Feste im Jahresverlauf. Wie an den anderen drei Tagen war auch an Samhain ein Tor unserer Welt zur Anderwelt geöffnet, zu einer Parallelwelt, in der nicht nur Elfen, sondern auch andere, nicht immer gutwillige mythische Wesen und Gestalten zu Hause waren. Auch die Toten konnten an diesem Tag aus der Anderwelt zurückkehren und sich den Körper eines Lebenden aneignen. Verstecken und Verkleiden war angesagt, um das zu vermeiden (auch das ist dem heutigen Halloween mit Masken und Verkleidungen erhalten geblieben). Mit Samhain sind auch eine Reihe mythischer Schlachten der Kelten verbunden, so daß es nahe liegt, das Fest als den Gegenpart zum Frühjahrsfest anzusehen. Während bei Beltane (dem Frühjahrsfest) der Wiederbeginn, das Neuaufleben und das Aufblühen stand, ist Samhain dem Sterben, den Toten und dem Abschluß gewidmet. Es wurden an Samhain jede Menge Opfer, auch Blutopfer, gebracht, um die Wesen aus der Anderwelt zu besänftigen und von den Erdgottheiten Fruchtbarkeit zu erbitten. Die christliche Überformung dieses keltischen Brauches hat vielleicht auch etwas damit zu tun, daß man die Opfergaben von der Anderwelt auf die Bedürftigen der diesseitigen Welt lenkte. (Was die Wesen der Anderwelt wohl davon hielten….). Das Halloween Fest hat in zahlreichen deutschen Gegenden die dort bereits seit altersher gefeierten Volksbräuche wie das Rübengeistern abgelöst, in dem – ähnlich wie bei Halloween die Kürbisse – beleuchtete Rüben den Ahnen den Weg leuchten sollten.

Insgesamt ist doch wohl irgendwas mit dem 31.10., denn auch weit entfernt, in Mexiko, wird an diesem Tag der bekannte Dios de los muertos gefeiert. Auch hier geht der Glaube davon aus, daß die Toten einmal im Jahr zu Besuch zu uns kommen – allerdings feiern sie hier mit den Lebenden und versuchen nicht, ihnen das Leben zu nehmen.

All das hat natürlich einen engen Bezug zu dem am  01.11. gefeierten Allerheiligen und dem am 02.11. gefeierten Allerseelen. Wahrscheinlich absichtlich hat die katholische Kirche Allerheiligen vor Allerseelen gelegt, um zumindest eine gewisse Abgrenzung zu den heidnischen Totenfesten und Bräuchen am 31.10. zu schaffen. Während also die katholische Christenheit am 01.11. der zahlreichen Heiligen gedenkt (von denen es mittlerweile so viele gibt, daß ein solches Massengedenken sinnvoll erschien), gedenken an Allerseelen die Menschen all der Lieben, die sie in ihrem Leben verloren haben. Durch die Feiertagsgestaltung (Allerheiligen ist in manchen Bundesländern frei – natürlich nicht in Berlin, da ist nie frei), vermischen die Menschen diese beiden Feste zunehmend, auch weil sie lieber an den freien Tagen ihre Liebsten auf dem Friedhof besuchen.

 

Die Herbst- und Wintermonate stehen auch für Demut und Bescheidenheit, für Buße und Gedenken an die Toten.

Und es folgt ein weiterer Feiertag, der bäuerliches Brauchtum mit christlichen Bräuchen verbindet: der Martinstag am 11.11.. Vielleicht kennst du das Martinsgansessen? Hast dir aber noch nie Gedanken darüber gemacht? So ging es mir jedenfalls. Daß der 11.11. aber Beginn der Fastnacht ist, das war mir schon bewußt. Und tatsächlich hat es früher auf Grund der beschränkten Haltbarkeit diverser Lebensmittel am 11.11. ein großes Fest gegeben, in dem nicht haltbare Lebensmittel verzehrt wurden. Dazu gehörten Fett und Haus- und Hoftiere, die den Winter aus Futtermangel oder anderen Gründen nicht überleben würden. Daher also die Martinsgans. Die ist allerdings auch mit dem namensgebenden Heiligen, Martin von Tours, in Verbindung zu bringen. Dieser sehr gläubige und asketisch lebende Mann sollte nach der Legende im Jahr 371 von den Einwohnern der Stadt Tours als Bischof gewählt werden. Aus Bescheidenheit verbarg er sich im Gänsestall, doch die schnatternden Gänse verrieten ihn und so mußte er das Bischofsamt annehmen. Hm, und aus Rache essen wir jetzt am 11.11. Gänse? Das ist ja nicht sehr christlich. 😊. Nach dem 11.11., der Feier, kam mit der Fastnacht die Fastenzeit, die in alten christlichen Zeiten zur Reinigung vor dem Heiligen Abend diente.

Im November sind wir nun auch schon tief im Herbst, grau, dunkel, naß und neblig ist er oft, und so hieß er früher auch Nebelung.

Grau geht es auch am Buß- und Bettag und am Totensonntag zu, an zwei christlichen Feiertagen, die der evangelischen Christenheit wichtig sind. Der Buß- und Bettag, der immer am Mittwoch vor dem Totensonntag liegt, ist ein Tag, der in weltlichen Notsituationen die Bevölkerung zu Umkehr und Buße ermahnte – ganz im Sinne der protestantischen Religion, die das selbstbestimmte Wirken des Menschen im Diesseits als Basis für sein himmlisches Leben sah. Und der Totensonntag ist, wie der Name schon vermuten läßt, dem Gedenken an unsere (diesmal evangelisch getauften) Toten geweiht. An diesem Tag soll vor allem nicht nur der eigenen Toten gedacht werden, sondern auch des „Jüngsten Gerichts“ und des „Ewigen Lebens“.

 

Liebe ist das Thema des letzten Monats des Jahres, allerdings nur für die Fleißigen und Lieben.

Mit dem Andreastag am 30.11. beginnt praktisch der letzte Monat des Jahres. Er läutet die Adventszeit ein und beendet das Kirchenjahr. Von großer, wenig christlicher Bedeutung war die Nacht vor dem Andreastag, die als Nacht der Wahrsagung jungen Mädchen den Blick auf ihren zukünftigen Bräutigam gestatten sollte. Sie gilt als Nacht der Liebesorakel, wohl weil Andreas als der Schutzpatron der Liebenden und der Ehe ist. (Für die Schotten ist allerdings mit dem St. Andrews Day die Selbständigkeit der schottischen Nation verbunden – wie diese beiden Betrachtungsweisen desselben Heiligen wohl zusammenhängen? Über Ideen deinerseits freue ich mich!!)

Die Adventszeit und Weihnachten – die dunkelste Zeit des Jahres – ist mit zahlreichen Bräuchen zu Geschenken und Feiern verknüpft. Es beginnt mit dem Nikolaus am 06.12., benannt nach dem heiligen Nikolaus, Bischof von Myra, der nach der Legende einem sehr armen Mann half – oder besser, dessen Töchtern. Dem Mann fehlte das Geld für die Heirat seiner drei Töchter, weshalb er sie in die Prostitution schicken wollte. Als Nikolaus davon erfuhr, warf er Gold in den Kamin der Mädchen. Dieses fand sich in ihren Stiefeln und Socken wieder, die dort zum Trocknen hingen. So rettete er die Mädchen vor ihrem Schicksal. Die Verknüpfung auch dieses christlichen Festes mit vorchristlichem Brauchtum ist am besten noch heute an dem Krampus zu erkennen, der wie Knecht Ruprecht in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz den Nikolaus begleitet, um unartige Kinder zu bestrafen. Der Brauch und die Erscheinung des Krampus wird mit dem Perchtenbrauchtum in Verbindung gebracht bzw. vermischt. Perchten sind seltsame Gestalten, die offenbar noch aus heidnischer Zeit stammen und wirklich gruselig ausschauen. Diese Schreckgestalten sollten seit altersher für die Einhaltung von Regeln und Disziplin sorgen. Die eher im ostdeutschen und angrenzenden slawischen Raum bekannte Frau Perchta bestraft Faulheit, belohnt aber Fleiß – ähnlich wie die dir bekannte Frau Holle. Dabei kommt diese Figur vermutlich ebenfalls aus dem keltischen Raum. Frau Perchta straft nicht nur mit Albträumen, sondern im Zweifel auch mit Bauchaufschneiden. Ebenso wie der Krampus ist sie also eine eher furchterregende Gestalt. Die Perchten sind heute noch in den Perchtenläufen im Brauchtum vorhanden, etwas, das mit der ebenfalls Grauen erregenden „Wilden Jagd“ in Verbindung gebracht wird. Aber auch die Perchten gibt es in Gut und in Böse. Während die Bösen in der Wilden Jagd auftauchen, wünschen die Guten den Dorfbewohnern Glück und Wohlergehen.

Mit der Wintersonnenwende, dem 21.12., der im Christentum als Thomastag begangen wird, beginnen die sogenannten Rauhnächte. In diesen ist der Sage nach wieder einmal die Grenze zwischen dem Reich der Hiesigen und dem der Anderwelt durchlässig. In dieser Zeit zieht die Wilde Jagd durchs Land, die Perchten sind unterwegs, aber auch uns ist es gestattet, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Rauhnächte beginnen nach Deutung der einen mit dem Thomastag (was logisch ist, weil es sich hierbei um die praktisch aus der Zeit gefallenen Tage nach dem Mondkalender handelt, der ja nur 354 Tage hat.), nach Deutung der anderen erst mit dem 25.12., dann gehen sie bis zum Dreikönigstag am 06.01. Ich kann mir gut vorstellen, wie in einer Zeit, wo es auch noch richtige, klirrend kalte Winter gab, die Menschen diese Zeit fürchteten. Denn es waren ja für sie Tage, die sich in keinem Kalender wiederfanden. Zusätzlich und sonderbar. Der christliche Heilige Thomas, der auch der Zweifler genannte wurde, erhielt darum wohl passenderweise einen solchen eng mit heidnischen Traditionen verknüpften Feiertag. Dieser Tag ist mit einer Reihe spaßiger Bräuche in den unterschiedlichen Gegenden verbunden, die alle etwas mit dem Wahrsagen der Zukunft zu tun haben. Die Rauhnächte sind auch heute noch die Zeit des Jahres, in der ein Resümee des vergangenen und eine Planung des neuen Jahres einen guten Platz hat. Unter dem Stichwort Rauhnächte findest du im Internet eine Menge unterschiedlicher Anleitungen zur Nutzung dieser Tage.

Nach der langen Adventzeit folgt dann endlich das gerade von den Kindern heiß ersehnte Weihnachtsfest. Nach dem Heiligen Abend folgt der 25.12. als der Festtag der Geburt Jesu Christi. Dieses Fest überschnitt sich bei der Christianisierung germanischer und slawischer Gebiete mit Sicherheit mit den dortigen Bräuchen, die allesamt mit dem Mittwinter zu tun hatten. Allerdings gab es zur Zeit der stattfindenden Christianisierung das Weihnachtsfest im christlichen Sinne schon, so daß es hier offenbar nicht die Neuformatierung eines alten heidnischen Festes war, sondern sich eine Vermischung und Angleichung ergab. Die heidnischen Feste – Julfeste – fanden in den unterschiedlichen Gegenden an unterschiedlichen Tagen der Rauhnachtszeit statt. Während aber die nordischen Feste eher von Gaben an die Götter und Geister beherrscht wurden, beinhaltete das Weihnachtsfest – weil Jesus ja den Menschen gegeben wurde – eher ein Fest der Gaben an die geliebten Menschen. Das wird besonders deutlich am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26.12., der vielerorts in katholischen Gemeinden als Stefanstag oder Stefanitag begangen wird. Hier werden entfernte Verwandte beschenkt, Pferde gesegnet und Gaben verteilt. Im Commonwealth ist der Tag als „Boxing Day“ bekannt, ein Tag, an dem ursprünglich die Dienerschaft (mit „boxes“) beschenkt wurde und sie ihre Familie besuchen konnte.

Das Jahr endet endgültig mit dem Silvesterfest am 31.12. Ein rein heidnisches Fest im Übrigen ohne christliche Bedeutung. Das Feuerwerk oder die Feuer am Silvestertag sind zur Abwehr der bösen Geister gedacht.

Ich hoffe, dir hat der Überblick über die Vermischung christlicher und vorchristlicher Traditionen bei den Feiertagen und Festen in den letzten Monaten des Jahres ebensoviel Spaß gemacht wie mir. Wie immer habe ich einiges erst bei den Recherchen für diesen Artikel erfahren.

Auch war mir nicht bewußt, wie durchgängig sich zwei Themen durch diese Zeit ziehen.

Zum einen ist es eine Zeit des Dankes, des Feiern auch von Erfolgen, des Gebens und der Beschwörung von Fruchtbarkeit. Auf der anderen Seite ist es eine Zeit der Unsicherheit und des Zweifels an der wahrnehmbaren Realität, eine Furcht vor nicht beeinflussbaren Dingen und eine enge Verbindung zu spirituellen Themen.

Vielleicht hat dir dieser Artikel auch noch einmal Anregungen für dein Leben geben, sei es in der Beachtung so wichtiger jahreszeitlicher Ereignisse wie der herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche, dem Dank für die schönen Dinge des Jahres, eine Hinwendung zu spirituellen Gedanken oder einfach mehr Beschäftigung mit unserer Herkunft und unserer Zukunft.

Ich wünsche dir dabei ganz viel Freude.

Deine Claudia

 

 

 

Subscribe To Our Newsletter

Join our mailing list to receive the latest news and updates from our team.

You have Successfully Subscribed!