Nun hatte ich ja in meinem letzten Blog bereits geschrieben, daß die Idee der Gleichheit von Männern und Frauen nicht greift. Weil es nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich eine Reihe von Unterschieden gibt – die aus meiner Sicht interessantesten findest du hier:

1. Das Y- Chromosom verhindert „nur“ die ursprünglich weibliche Entwicklung.

Wie sagt Frau Birkenbihl in ihrem wirklich sehenswerten Video über Männer und Frauen so schön: „Das Y-Chromosom ist ein abgebrochenes X und in 100.000 Jahren ist es weg.“ Ob das tatsächlich so sein wird, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Fakt ist, daß sich die X- und Y- Chromosomen seit etwa 300 Millionen Jahren auseinanderentwickeln. Bei jedem der seitdem stattgefundenen Abspaltungen von der Linie der gemeinsamen Vorfahren von Affen und Menschen wurde das Y-Chromosom immer kleiner. Und es konzentriert sich in der Zwischenzeit auf die Gene, die auf dem X-Chromosom nicht vorhanden sind. Gerade diese Gene sind aber dafür zuständig, daß sich statt einer Frau ein Mann entwickelt.

Eins der wesentlichen Gene des Y-Chromosoms ist das SRY-Gen. Dieses produziert ein Protein, das die Entstehung der Hoden und des Hormons Testosteron fördert. Weiterhin wird durch den Einfluss des Y-Chromosoms das H-Y-Antigen (Anti-Müller-Gen) hergestellt. Dieses unterdrückt die Weiterentwicklung der ursprünglich weiblich angelegten Keimbahnen und führt so zur Ausprägung männlicher Samenstränge. Auch hier ist es so, dass sich ohne diesen Faktor die unspezifischen Anlagen für Geschlechtsteile zu Eierstöcken entwickeln würden.

 

2. Hormone beeinflussen nicht nur die Ausprägung der Geschlechtsmerkmale, sondern auch die Entwicklung des Gehirns.

Die Gene des X- oder des Y-Chromosoms steuern die Ausbildung der inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale. Sie veranlassen zudem die Bildung von Hormonen, die bereits im Uterus die weibliche oder männliche Anlage der Gehirnentwicklung beeinflussen. Diese Anlage muß nicht zwingend mit der genetischen Anlage übereinstimmen. Ein Beispiel ist das feminine Androgen-Insensitivitäts-Syndrom. Durch einen Genfehler auf dem X-Chromosom ist der Fötus, der genetisch XY, also männlich ist, unempfänglich für männliche Hormone. Das bedeutet, es prägen sich weibliche äußere und oft teilweise auch innere weibliche Geschlechtsorgane aus. Wegen der Unempfänglichkeit für männliche Hormone verläuft auch die Gehirnentwicklung weiblich. Obwohl diese Frauen also genetisch Männer sind, sind sie äußerlich und im Denken und Verhalten rein weiblich. Oft sind sie allerdings steril wegen der nicht vollständigen Ausprägung der inneren Geschlechtsorgane. 

3. Die Gehirnstrukturen von Männern und Frauen sind nachweislich unterschiedlich.

Im Gehirn gibt es Androgenrezeptoren. Also Andockstellen für männliche Hormone. Das bekannteste unter ihnen – das Hormon Testosteron – bestimmt daher zahlreiche Verhaltensweisen und Fähigkeiten. Gehirne von Jungen sind etwa 8-11% schwerer als die von Mädchen. Und das bleibt auch so. Weiterhin ist eine bestimmte Nervenzellansammlung im Hirn bei Männern bis zu viermal größer als bei Frauen. Diese Ansammlung, die sexual dimorphen nucleus heißt, ist für Aktivität, sexuelle Präferenzen und Geschlechtsidentität verantwortlich. Dafür reifen die Hirne von Mädchen schneller und hören daher auch früher auf zu wachsen. Auch ist die Dichte der Neuronen in einem Bereich, in dem es um Sprache geht (plenum temporale) bei Frauen durchschnittlich um 11% höher.

 

4. Testosteron beeinflusst Denken und Verhalten.

Dieses Hormon hat vor allem vorgeburtlich einen erkennbaren Einfluß. Das sieht man besonders deutlich an Frauen, die wegen einer überdurchschnittlich großen Nebennierenrinde noch im Mutterleib mit sehr viel Androgenen (u.a. Testosteron) in Kontakt kommen. Diese Frauen entwickeln mehr oder weniger normale weibliche innere und äußere Geschlechtsorgane und fühlen sich auch als Frauen. Allerdings bevorzugen sie als Kinder männliche Spielzeuge. Sie gehen überdurchschnittlich häufig in typische Männerberufe. Und sind überdurchschnittlich häufig sexuell an Frauen orientiert.

Durch die genetische Anlage und die entsprechenden Hormone werden vorgeburtlich Wege vorgezeichnet, die dann nachweislich durch Gesellschaft und elterliche Erziehung verstärkt werden.

Ab dem 1. Geburtstag entscheiden sich Kinder für geschlechtsspezifisches Spielzeug. Um hier Erziehung auszuschließen, hat man das mit Affen nachvollzogen. Und auch hier bevorzugen weibliche Rhesusaffen Kochtopf und Puppe. Während die männlichen sich mit dem Ball und dem Polizeiauto befassten.

Dabei ist interessant, daß vier Jahre später 5jährige Jungen sich weniger als 10% der Zeit mit Mädchenspielzeug befassen, während sich bei Mädchen die Zeit fast hälftig aufteilt. Jungen entwickeln sich mit den Jahren weg von Mädchenspielzeug. Mädchen entwickeln sich hin zu Jungenspielzeug. Auf dieses Thema werde ich in meinem folgenden Zyklus „Männer in der Gesellschaft“ noch weiter eingehen.

Mädchen und Frauen können nachweislich besser erkennen, welche Gefühle ein Gesicht ausdrückt. Sie können daher auf Gefühle besser und schneller reagieren. Dabei hilft, daß sie sich auch schneller und genauer ausdrücken können. Jungen und Männer sind besser in der räumlichen Wahrnehmung sowie in der Grobmotorik. Beides wird gerade im Wettstreit geübt und verbessert. Deswegen spielen Wettstreit und körperliche Auseinandersetzung für Jungen und Männer eine wichtige Rolle.

Das Sexualhormon beeinflusst uns auch im Erwachsenenalter.

Wie sehr Sexualhormone auch im Erwachsenenleben noch unser Verhalten beeinflussen, sieht man an Untersuchungen zum Verhalten von Frauen in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus. So gibt es Untersuchungen, dass Frauen während des Eisprunges besser in verbalen Test abschneiden, vor der Menstruation hingegen besser einparken können. Da es auch hier wieder unterschiedliche Studien gibt, schlage ich vor, Sie probieren das mit dem Einparken selber aus …

Das Thema Hormone finde ich sowieso unglaublich spannend. Immer wieder werden neue Erkenntnisse zu ihrer Wirkungsweise veröffentlicht. So hat Testosteron zum Beispiel in hoher Konzentration zur Folge, daß die entsprechenden Männer dazu neigen, eher die Wahrheit zu sagen…..(Mehr darüber kannst du hier nachlesen )

 

5. Viele sich eigentlich geschlechtlich vermehrende Lebewesen können sich auch über Jungfernzeugung fortpflanzen – das gilt möglicherweise auch für den Menschen.

Woher nahm nun Frau Birkenbihl ihre eingangs formulierte Annahme, dass das Y-Chromosom mit all seinen männlich machenden Genen in 100.000 Jahren verschwunden sein wird?

Eine Überlegung folgt der Erkenntnis, dass die Anzahl der Gene auf dem Y-Chromosom im Verlauf der letzten 300.000 Jahre immer kleiner wurde. Und man nimmt an, dass sich diese Verkleinerung fortsetzt. Dagegen spricht, daß sich auf dem Y-Chromosom in der Zwischenzeit eben die Gene konzentrieren, die ein Lebewesen männlich machen. Und nur die anderen, die sich mit denen auf dem X-Chromosom doppelt, gingen verloren.

Das bedeutet, es wird – zweite Überlegung – dann verschwinden, wenn es keine Notwendigkeit mehr für eine geschlechtliche Vermehrung gibt. Warum viele Lebewesen auf unserem Planeten nun gerade die zweigeschlechtliche Variante der Vermehrung bevorzugen, ist noch immer ein ziemliches Rätsel. Es scheint jedoch so zu sein, dass sich die geschlechtliche Vermehrung da im Vorteil erweist, wo die Risiken des Lebens nicht berechenbar sind. Und mit der geschlechtlichen Vermehrung können mehr und schneller evolutionäre Abweichungen entstehen, die sich wiederum in neuer Umgebung als sinnvoll erweisen.

Jungfrauenzeugung ist dann sinnvoll, wenn man in kurzer Zeit große Lebensräume bevölkern will, in denen die Rahmenbedingungen recht stabil sind. Die Fähigkeit zur Jungfernzeugung ist natürlich auch dann sehr hilfreich, wenn wegen der Abwesenheit von männlichen Partnern die Art sonst aussterben würde (Beispiele sind z.B. Schlangen und Warane, auch Komodowarane).

In Tokyo sind erstmalig auch Mäuse durch Jungfernzeugung entstanden. Diese waren nicht nur überlebensfähig, sondern haben sich sogar fortgepflanzt. Das gelang, weil die Forscher einen Mechanismus ausschalten konnten, der wissenschaftlich noch nicht vollkommen verstanden ist. Dessen Einfluß auf die geschlechtliche Vermehrung ist aber grundlegend. Prinzipiell ist also eine Jungfrauengeburt auch bei Säugetieren und möglicherweise auch bei Menschen möglich. Wenn durch bestimmte Rahmenbedingungen dieser Mechanismus (das sogenannte Imprinting) außer Kraft gesetzt wird.

Umweltfaktoren beeinflussen die Fruchtbarkeit.

Unerfreulich in diesem Zusammenhang ist zum Beispiel, dass zwischen 1972 und 2011 die Anzahl der Spermien in männlichen Samen bei den Männern in Europa, Amerika, Australien und Neuseeland um mehr als 50% zurückgegangen ist. Das steht in engem Zusammenhang damit, dass die Fruchtbarkeit von Männern unter 30 Jahren seit den 80er Jahren um 15% sank (in den Industrienationen). Allerdings gelten als Gründe eher Umwelteinflüsse, die giftig auf Spermien und Geschlechtsorgane der Männer einwirken. Ebenfalls der Umwelt geschuldet sind die sinkende Libido bei beiden Geschlechtern durch Fettleibigkeit und verschiedenste Zivilisationskrankheiten, die oft Einfluss auf die Sexualhormone haben. Umweltverschmutzung und Stress zählen neben falscher Ernährung hier zu den Hauptursachen. Es scheint also – auch hier – an uns zu liegen, wie die geschlechtliche Vermehrung des Homo sapiens sich in Zukunft entwickelt.

Ich hoffe, du fandest diese Infos ebenso spannend wie ich.

Deine Claudia

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